Den Fokus auf andere statt auf sich selbst richten

«Geben ist seliger als Nehmen», sagte Jesus vor rund 2000 Jahren. Was können wir daraus konkret für unsere Beziehungen lernen?

10.10.2026
3 min
geschrieben von
Marc Bareth
Zwei Menschen am Strand
Unsplash+
Die Forschung zeigt: Wenn wir anderen helfen und etwas geben, macht uns das oft selbst glücklicher.

«Eine Beziehung zu führen bedeutet im Wesentlichen, die Bedürfnisse der beiden Partner auszubalancieren.» So denken wir oft über Beziehungen. Wir brauchen auch nicht lange, um Beispiele aus unserem Paaralltag zu finden, die dies unterstreichen. Egal, ob es um die Ferienplanung, Ausgaben oder die Gestaltung unserer Freizeit geht – ständig müssen wir aushandeln, ob wir das tun, was wir wollen oder was unser Partner möchte. Natürlich setzt sich dabei jeder für seine eigenen Wünsche ein. Doch das ist nur eine mögliche Sichtweise auf Beziehungen. Und sie ist nicht einmal besonders empfehlenswert.

Was uns wirklich glücklich und gesund macht

Eine Beziehung als solches Nullsummenspiel zu betrachten, hat ein paar Nachteile. Diese Sichtweise ist nicht beziehungsfördernd, weil die Partnerin so die Rolle der Gegenspielerin zugewiesen bekommt, deren Wünsche die Erfüllung meiner Wünsche blockieren. Zudem widerspricht sie sowohl wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch der christlichen Sicht auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Der Apostel Paulus schrieb:

Icon Bibel

«Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat.»

Philipper 2,4-5

NGÜ

Als Jesus sagte, dass Geben seliger sei als Nehmen (Apostelgeschichte 20,35), formulierte er eine Einsicht, die rund 2'000 Jahre später von unzähligen wissenschaftlichen Studien bestätigt wird.

Die Forschung zeigt deutlich:

Es macht uns nachweislich glücklicher, wenn wir uns um andere kümmern, als wenn wir uns um uns selbst kümmern.

Eine wegweisende Studie der UCLA und der University of North Carolina aus dem Jahr 2013 zeigte sogar, dass es auf Zellebene einen messbaren Unterschied zwischen Menschen gibt, die sich glücklich fühlen, weil ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt wurden, und Menschen, die sich glücklich fühlen, weil sie zum Wohlergehen anderer beigetragen haben. Letztere hatten ein gesünderes Zellprofil, erkennbar an einer niedrigeren Entzündungsbereitschaft und einer höheren antiviralen Abwehr. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Glück, das aus dem Fokus auf andere entsteht, objektiv und messbar zu einer besseren körperlichen Gesundheit beiträgt.

Es gibt Menschen, die gelernt haben, sich nicht ständig selbst ins Zentrum ihres Denkens zu stellen. Sie sind glücklicher, weil sie sich nicht dauernd darum sorgen, was andere über sie denken. Und weil sie beobachten können, ohne beurteilen zu müssen.

Eine neue Sichtweise einüben

In einer Beziehung sind solche Menschen oft weniger empfindlich, weil sie das Verhalten ihres Partners nicht sofort auf sich selbst beziehen. Behandelt der Partner sie einmal unfreundlich, kann das einfach daran liegen, dass er einen schlechten Tag hat, und nicht daran, dass sie etwas falsch gemacht haben. Oder wenn er mal keinen Sex möchte, hat das möglicherweise mit ihm selbst zu tun und muss nicht als persönliche Ablehnung verstanden werden.

Den Blick stärker auf den Partner statt nur auf sich selbst zu richten, hilft also auch, weniger Dinge fälschlicherweise auf sich zu beziehen und persönlich zu nehmen.

Deshalb ist es sinnvoll, die «Entweder-du-oder-ich»-Brille bewusst abzulegen und stattdessen eine andere Sichtweise auf Beziehungen einzuüben. Eine Sichtweise, bei der man sich weniger darauf fokussiert, dass man selbst auf seine Kosten kommt, sondern stattdessen das Wohl der Partnerin oder des Partners in den Mittelpunkt stellt.

Überlege, wie du heute deiner Partnerin oder deinem Partner etwas Gutes tun kannst – auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Blog
paar-sitzt-sich-gegenüber

Das Naikan-Experiment

Die japanische Methode basiert auf drei Fragen, die man sich in Bezug auf den Partner oder die Partnerin stellt. Obwohl Naikan kein christliches Konzept ist, decken sich die psychologischen Wirkmechanismen dieser Methode bemerkenswert mit zentralen biblischen Aussagen. 
Blog
ausgestreckte-hand

Die Affenfalle des Nachtragens

Manchmal sind wir wie der Affe in der Kokosnussfalle: Wir klammern uns an etwas, das uns längst mehr schadet als nützt. Das gilt besonders für alte Verletzungen in Beziehungen.
Blog
Paar läuft dem Strand entlang

Angst oder Liebe?

Schon wieder Sex? In aller Ruhe eine Serie zu schauen klingt für sie deutlich entspannender nach diesem anstrengenden Tag. Ein Spaziergang bei diesem Wetter? Es gibt bestimmt ein Dutzend Aktivitäten, die er jetzt lieber machen würde, als mit seiner Frau durch den Wald zu trotten. Beim Wäsche ...