Frau zu Mörderin des Sohns – «Ich bete, dass du Frieden findest»

Melanie Washington und ihr heutiger Mann
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Melanie Washington und ihr heutiger Mann
12.5.2022
4 min

Melanie Washington umarmte den jungen Mann, der ihren Jungen umgebracht hatte. «Ich spürte dabei keinen Mörder, der meinen Sohn getötet hatte. Ich spürte meinen Sohn.»

«Es ist wichtiger zu lieben und zu verzeihen, als an dem Schmerz und der Verletzung festzuhalten», sagt Melanie Washington (67). Heute hilft sie im kalifornischen Long Beach jungen Menschen, aus ihrer zerstörerischen Lebensweise herauszukommen.

Sie selbst hat eine Kindheit hinter sich, die sie als «die reine Hölle» beschreibt. Im Alter von acht Jahren wurde sie von ihrem Stiefvater missbraucht. Als er sich dann auch noch an ihre Schwester Mary heranmachte, erzählte Melanie ihrer Mutter alles. Diese warf den Täter raus.

Mutter von Stiefvater erschossen

Der Kerl ging, tauchte aber am nächsten Tag mit einer Waffe wieder auf. «Nein, Daddy, nein», flehte Mary. Doch er erschoss Mutter. Als nächstes versuchte er, Melanie zu töten, doch die Waffe klemmte.

Schockiert und von Trauer überwältigt, gab Melanie sich selbst die Schuld am Tod ihrer Mutter. «Ich war diejenige, die meiner Mutter gesagt hat, was er getan hat. Ich habe mir das ein Leben lang nie verziehen.»

Melanie machte ihren Highschool-Abschluss, verliebte sich in einen gutaussehenden jungen Mann und heiratete ihn. Als die beiden zwei Monate verheiratet waren, begann er, sie zu schlagen. Wieder gab Melanie sich selbst die Schuld. «Ich fragte mich, ob das geschieht, weil ich damals meiner Mutter vom Missbrauch erzählt habe – und ob ich deshalb nun zur Strafe von dem Mann, den ich liebe, verprügelt werde.» Selbst während ihrer beiden Schwangerschaften wurde sie verprügelt.

Drogen kommen ins Spiel

«Eines Tages beschloss ich, meine Kinder wegzubringen.» Mit den Ersparnissen, die für drei Monate reichten, organisierte sie eine Wohnung. «Ich war durcheinander und glaubte, ich hätte nur das Leben anderer Menschen durcheinander gebracht.» Von Schuldgefühlen geplagt, wandte sie sich den Drogen zu.

«Ich war so verletzt und voller Schmerzen, dass ich mir eine Überdosis verpasst habe. Ich wollte nicht mehr hier sein.»

Im Nirgendwo der Überdosis hörte sie eine Stimme. «Melanie, Melanie, mein Name ist Jesus. Wenn du mir folgst, zeige ich dir den Weg.» Sie wusste nicht, ob sie tot war und antwortete «Okay». Am nächsten Morgen wachte sie auf und übergab ihr Leben Jesus.

Sohn ermordet

Ihr Leben begann sich zu verändern. Sie verstand, dass es falsch war, sich selbst die Schuld zu geben. Und sie entschied, denjenigen zu vergeben, die ihr Unrecht getan hatten. «Das war schwer. Zuerst wollte ich Christus aufgeben, statt zu vergeben.» Der Durchbruch erfolgte, nachdem sie spürte, dass die Unversöhnlichkeit sie selbst schmerzte.

Als ihr Sohn 19 Jahre alt wurde, zog er nach Oceanside, um in der Nähe seines älteren Bruders zu sein. Leider liess er sich mit den falschen Leuten ein. Melanie versuchte vergeblich, ihren Sohn aus dem Kreis einer Gang herauszuholen.

Eines Nachts erhielt sie um drei Uhr einen Anruf – ihr Sohn war getötet worden.

Einsatz für andere

Erschüttert kümmerte sie sich von diesem Tag an um junge Menschen in ihrer Umgebung. Einige von ihnen gehörten zu den schwierigsten Fällen im Bezirk – junge Leute, mit denen andere nichts zu tun haben wollten.

Durch ihre Non-Profit-Organisation «Mentoring: a Touch from Above» arbeitet sie heute beispielsweise als Seelsorgerin in Gefängnissen mit jungen Menschen und spricht für die kalifornische Jugendbehörde in Schulen.

Und anstatt an der Bitterkeit festzuhalten, besuchte Melanie den Mörder ihres Sohnes im Gefängnis. «Er war sehr gross und umarmte mich. Ich ertappte mich dabei, wie ich meinen Arm um ihn legte. Ich spürte nicht den Mörder, der meinen Sohn getötet hatte. Ich spürte meinen Sohn. Von diesem Tag an nannte ich ihn meinen Sohn.» Sie sagte zu ihm: «Du hast das Leben meines Sohnes genommen, aber Gott hat mir deines geschenkt.» Bereits vor Gericht hatte sie zu ihm gesagt: «Ich bete, dass du Frieden findest.»

Sie ist fassungslos über die Horrorgeschichten, die sie hinter Gittern hört. Doch sie bringt den hoffnungslosen Kids neue Hoffnung.

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