Grossartig und geliebt – «Ich bin kein Krüppel, ich bin Christoph!»

7.10.2021
2 min

Was die Sportler mit körperlichen Behinderungen an den Paralympischen Spielen für Leistungen zeigten, beeindruckte Christoph Gysel tief. Denn dass er selbst körperlich eingeschränkt ist, weiss er nur zu gut.

Behindert zu sein, ist Teil meines Lebens. Doch wenn meine Einschränkungen grösser werden, die Mobilität abnimmt oder meine Hände ihren Dienst verweigern, wird es schwierig. Letzten Sonntag stand ich in der Sakristei einer Kirche und versuchte, für die Taufe das Beffchen, den Pfarrkragen, anzuziehen. Meine tauben Finger liessen es nicht zu. Plötzlich hatte ich Panik: Gleich kommen die Gottesdienstbesucher!

Da wurde ich an meine Jugend erinnert. Mit zwanzig war klar: Als Winzer taugst du nicht mehr. Eine Umschulung war nötig. Ich hatte die Chance, Theologie zu studieren. Eine Person aus meinem Umfeld bezeichnete mich immer wieder als «Krüppel». «Gut, dass der Krüppel studieren und als Pfarrer sein eigenes Geld verdienen kann! Nicht, dass wir noch zahlen müssen...»

Eine grossartige Persönlichkeit

Solche Sätze bekam ich immer wieder zu hören. Ich erinnere mich an den Moment, wo ich trotzig vor dem Spiegel stand und schrie: «Nein, ich bin kein Krüppel, ich bin Christoph!» Ich bin die grossartige Persönlichkeit, zu der mich Gott gemacht hat. Ich durfte viel lernen über mich, die Menschen, Gott und die Welt. Ich konnte manchen Menschen eine Hilfe sein. Durfte Relevantes und weniger Wichtiges schreiben, bei Radiostationen erzählen und Kolumnen bei Zeitschriften veröffentlichen. Auch Bücher schreiben.

Ich bin eine von Gott und manchen Menschen geliebte Persönlichkeit. Ob mir nun noch jemand hilft, den Kragen zu montieren oder ob ich «oben ohne» meinen Dienst tue? Egal!

Christoph Gysel ist Tourismuspfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche des Wallis und Präsident von Saas-Fee/Saastal Tourismus.

Dieser Artikel erschien zuerst bei IDEA Schweiz

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
Elian-Meier

«Wir leben noch nicht im Himmel»

Elian und Simon Meier engagierten sich in Guinea für die lokale Bevölkerung. Als Kinder Gottes und im Dienst für ihn vertrauten sie darauf, dass er ihre Familie schützen würde. Doch dann wurden sie mit einer anderen Erfahrung konfrontiert.
Story
juli-rudolph

Wie ein altes Worship-Video Juli zurück zu Jesus führte

Young, wild and free – so könnte das Motto der heute 21-jährigen Juli Rudolph in ihrer Teenagerzeit gelautet haben. Sie wusste, dass es einen Gott gibt. Doch mit der Zeit spielte dieser Glaube in ihrem Leben kaum noch eine Rolle. Dann kam eine Nacht, in der sie sich ein jahrealtes Worship-Video ...
Story
andreheiniger

Vom Spitzenkoch über den Ruin zu neuem Leben

Nach einer schwierigen Kindheit startet André Heiniger voller Elan ins Berufsleben und hat sofort grossen Erfolg. Er wird reich, macht sich selbstständig und lebt für seine Karriere. Doch dann bekommt er eine schwierige medizinische Diagnose.
Story
Sophia im Studio

Ihr war alles egal – bis ihre Welt zusammenbrach und plötzlich Friede kam

Eigentlich war Sophia mit dem Grundgefühl durchs Leben gegangen, dass alles egal sei. Doch als sie mit 18 Jahren ungeplant schwanger wurde, brach dieses Gefühl plötzlich auf. Sie war verzweifelt und hilflos – und zugleich fühlte sich dieser Moment so real an wie lange nichts mehr. Zum ersten Mal ...