Der dunkle Romantiker – Nick Cave – ein Musiker auf der Suche nach Gott

Nick Cave
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30.4.2021
4 min

Seit 40 Jahren steht Nick Cave auf der Bühne. Er wandelte sich dabei vom lauten Punk zum Meister leiser Töne. Schon lange zieht sich die Frage nach Gott und die Suche nach ihm durch sein Leben und seine Kunst.

Cave ist ein vielseitiger Künstler. Er ist Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, Drehbuchautor und manches mehr – und alles mit beachtlichem Erfolg. Er kam am 22. September 1957 als Nicholas Edward Cave im australischen Warracknabeal zur Welt. Seine Mutter war Bibliothekarin, sein Vater unterrichtete englische Literatur. Cave studierte Kunst, gründete eine Punkband und zog nach London, um berühmt zu werden. Seinen Durchbruch erlebte er aber 1983 in Westberlin, wo er die Band «The Bad Seeds» gründete, mit der auch heute noch unterwegs ist. Schon damals spielten religiöse Motive eine wichtige Rolle in seinen Texten.

Existiert Gott?

Die Frage nach der Existenz Gottes beantwortete er laut einem Deutschlandfunk-Beitragso: «Ich bin nicht sicher, ob das die richtige Frage ist. Für mich ist die Frage interessanter: Was bedeutet es, zu glauben? Gegen all meine sachlichen Urteile finde ich es unmöglich, nicht zu glauben oder zumindest sich nicht immer wieder zu fragen, was Glauben bedeutet. Mein Leben ist von der Idee Gottes bestimmt. Ob es nun seine Anwesenheit oder seine Abwesenheit ist.»

Nun zitieren viele Künstler ab und zu Aussagen aus der Bibel oder verwenden deren Bildsprache. Caves Texte jedoch drehen sich seit Jahren um Gott. Nachdem er lange alttestamentliche Themen verarbeitete, liegt sein Schwerpunkt inzwischen im Neuen Testament. Dabei stellt er Personen oft in heutige Zusammenhänge und bürstet sie gegen den Strich – wie in «Dig, Lazarus, dig!». Sein Lazarus ist weniger der von Jesus wunderbar vom Tod auferweckte Mensch, er ist vielmehr eine orientierungslose Person, die durch die Strassen von New York irrt. Sie fragt, wie wir als moderne Menschen mit dem Sterben umgehen.

Arthurs Tod

Kraftvolle Bilder bestimmten Caves Texte schon immer, doch seit 2015 haben sie eine neue persönliche Tiefe gewonnen. Damals starb Arthur, einer seiner Zwillingssöhne, im Alter von 15 Jahren bei einem Unfall. Der Musiker war gerade dabei, sein nächstes Album «Skeleton Tree» zu produzieren. Darin versuchte er, den Tod zu verarbeiten. Anschliessend zog er sich eine ganze Weile aus der Öffentlichkeit zurück.

«Jesus alone» ist das erste Lied des Albums, und es verbindet die Menschwerdung Gottes mit dem tödlichen Sturz seines Sohns: «Du fielst vom Himmel / mit einer Bruchlandung auf einem Feld nah beim Fluss Adur».

Dunkle Romantik

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Eine Weile unterrichtete Cave an der Wiener «Schule für Dichtung» Songwriting. Dabei hielt er laut Deutschlandradio fest: «Schreiben erlaubte mir einen direkten Zugang zu meiner Vorstellungskraft, zur Inspiration und schlussendlich zu Gott.» So ist es kein Wunder, dass er mehr Zeit beim Schreiben verbringt als im Tonstudio oder auf der Bühne. Seine ausführlichen Notizen münden dabei oft in Songtexte.

«Caves Poetik weist eine Nähe zur Romantik auf, nach deren theoretischem Konzept jedes Kunstwerk durch Ironie gebrochen werden müsse», erklärt Wikipedia und der Deutschlandfunk ergänzt: «Das Credo des dunklen Romantikers lautet: das persönliche Leben durch die Kunst in etwas Überpersönliches ausweiten.» So bestimmt die Sehnsucht gebrochener Menschen seine Lieder.

Fragen und Antworten

Nick Cave schreibt keine christliche Musik. Er bezeichnet sich auch nicht als Christ. Aber er ringt mit Gott. Seit einer Weile antwortet er darüber hinaus auf Fragen seiner Fans.Auf der Webseite «The Red Hand Files» können sie ihm Fragen stellen, die er dann persönlich und manchmal tiefgründig beantwortet. Er tritt damit herunter von der Bühne und in den Dialog mit anderen ein. Ein Fan, Cynthia, inspirierte ihn dabei mit der Frage nach ihren verstorbenen Angehörigen zu einer berührenden Antwort: «Es scheint so, dass wir trauern, wenn wir lieben. Das ist der Deal. Das ist der Pakt. Trauer und Liebe sind für immer miteinander verflochten. Trauer ist die schreckliche Erinnerung an die Tiefen unserer Liebe und wie Liebe ist Trauer nicht verhandelbar.» Anschliessend verfasste Cave noch die Single «Grief»über den Dialog mit Cynthia.

Der Deutschlandfunk zitiert den Theologen Matthias Surall: «Es geht immer um ein Ringen mit Gott. Und gerade das, finde ich, macht einen Künstler wie Nick Cave aus, dass er dieses Ringen wirklich durchhält, dass er also Gott im Grunde genommen als Zielpunkt von Sehnsucht im Blick hat, dass er Gott aber auch als Ansprechpartner im Blick hat für Dinge, die offensichtlich im Leben nicht allzu gut laufen. Bis dahin, dass er Gott anklagt, wenn es um Dinge wie den Tod geht. Mit Gott wird bei Nick Cave gerungen. Gott bleibt immer Gesprächspartner.»

Hören Sie sich hier den Song «Jesus alone» von Nick Cave an:

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