Kreuz statt Krawatte – Pfarrer Kurt Witzig: «Das Kreuz erdet mich»

Pfarrer Kurt Witzig
Imported Image
Pfarrer Kurt Witzig
19.5.2020
3 min

Den reformierten  aus Bronschhofen SG führte eine Krise hin zum Kreuz und weg von der Krawatte. Das Kreuz gibt dem 56-jährigen Ostschweizer Kraft. «Es ist nicht nur Symbol der Katholiken, sondern Basis aller Christen.Jesus starb für uns am Kreuz.»

Es ging ihm gar nicht gut, damals im Jahr 2005, gegen Ende seiner Pfarrtätigkeit in Tägerwilen-Gottlieben TG. Er hatte Bewährtes weiter- und gleichzeitig neue Impulse einführen wollen. Doch er stiess nicht überall auf Verständnis für das Wesen der Landeskirche, zerbrach beinahe an der Situation, wurde krankgeschrieben. «Ich muss wieder zu Kräften kommen», sagte sich Kurt Witzig und begab sich nach der Demission mit seiner Familie drei Monate nach Hawaii – weg von der Aussichtslosigkeit, hin zu einem christlichen Grundkurs. Zwei Lichtblicke stellten sich vor dem Besuch der Inselgruppe ein: die Anfrage aus Steckborn für eine Stellvertretung und eine Reise nach Äthiopien.

Mit Demut

Diese Projektreise der «Mission am Nil», wo der 56-Jährige im Vorstand ehrenamtlich tätig ist, führte ihn hinaus ins Land zu den Bauern und der einfachen Bevölkerung. Hier spürte er stark, wie die Glaubensgeschwister auf Gott zählen, auf ihn angewiesen sind – und fühlte sich entsprechend mit ihnen verbunden, so Witzig.

Zurück in der Hauptstadt Addis Abeba, zog es den Pfarrer intuitiv und auch aus Demut in einen Laden mit Andachtsgegenständen. «Dort kaufte ich mir das schlichte Silberkreuz.» Seither trägt es der Bronschhofer im Gottesdienst statt der Krawatte und meist anstelle des Talars, dem ursprünglichen «Gelehrtengewand». Ein Kreuz habe halt eine ganz andere Symbolkraft, so der Pfarrer, der seit einigen Jahren als Stellvertreter in Kirchgemeinden unterwegs ist und vor dem Silberkreuz einen Modeschmuck um den Hals hängte.

Gelernter Sanitärinstallateur

Unkonventionelles behagt Kurt Witzig, ist Teil von ihm. Gerne versucht er Dinge zu ändern, ehe sie aus dem Ruder laufen. Er spricht Probleme an, denkt um. Es erstaunt denn auch nicht, dass der gebürtige Berger (TG) die Laufbahn des Sanitärinstallateurs einschlug, sich dann aber via Zweitwegmatura dem Theologiestudium zuwandte, ohne die Freude am Technischen abzulegen. Sie manifestiert sich in einem Youtube-Kanal, dem Bau einer Solaranlage auf dem eigenen Hausdach, Lego-Projekten in der Kirche.

Ewigkeit geht vergessen

«Das Kreuz», nimmt Witzig den Faden wieder auf, löse positive Reaktionen aus. Es sei ja schliesslich nicht nur Symbol der Katholiken sondern Basis aller Christen. «Jesus starb für uns am Kreuz.» Die Passionszeit habe Parallelen zur Coronakrise, wobei heute die Schicksalsergebenheit oft fehle, die Ewigkeit vergessen gehe. Das Diesseits zähle. «Doch im Leiden liegt auch Kraft.» Das sei auch ein Geheimnis des Kreuzes. 

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
Fabian Wendel

Himmel im Einsatz

Ein einziger Moment verändert alles: Nach einem 25-Meter-Sturz muss Fabian Wendel nicht nur das Atmen und Sprechen neu erlernen, sondern auch ein Leben, das plötzlich von der Hilfe anderer geprägt ist. Während sich sein Leben grundlegend verändert, bleibt für ihn eine Konstante bestehen: Gott.
Story

Mit Jesus bleibt sie am Ball

Der Traum von einer Profikarriere im Fussball schien für Ivana nach einer schweren Verletzung geplatzt. In ihrer dunkelsten Zeit fand sie neuen Halt im Glauben an Gott.
Story
Vincenzo-Costantini

Ein Retter lässt sich retten

Was passiert, wenn ein Mensch, der für andere stark sein muss, selbst an seine Grenzen gerät? Feuerwehrmann Vincenzo hat seine Ängste lange unter Kontrolle gehalten. Doch als sein Körper ihn mitten in einem Einsatz im Stich lässt, wird ihm klar: Er braucht Hilfe.
Story
kurt_meier

Zweimal arbeitslos – als Vater von drei Kindern …

Kurt Meier arbeitete als Maurer, wurde Polier, dann Bauführer im Kanton Zürich. Die Stellensuche führte die Familie ins luzernische Schötz – und er landete nochmals in der Arbeitslosigkeit. Doch später erkannte er: Sie waren aus gutem Grund hier.