Beata Mukarubuga – Sie überlebte den Völkermord, verlor fünf Kinder – und vergab

22.4.2019
3 min

25 Jahre ist es her, seit eines der finstersten Kapitel der Erdgeschichte geschrieben wurde: Der Völkermord in Ruanda, der im April 1994 seinen Lauf nahm. 25 Jahre ist der Völkermord in Ruanda her. Zu den Opfern gehörte Beata Mukarubuga. Sie verlor ihren Mann und fünf ihrer sechs Kinder. Zu ihrem bewegenden Erlebnisbericht gehört, dass sie später dem Mann, der ihre Familie umgebracht hat, vergeben hat.

Beata Mukarubuga erhielt rund sechs Jahre später einen Brief aus dem Gefängnis. Geschrieben von Manasseh Nshimyerugira – einem früheren Nachbarn aus ihrem Heimatdorf Nyanza. In diesem Schreiben gestand der Mann aus der Hutu-Volksgruppe, fünf von Beatas Kindern sowie viele andere Tutsi aus Nyanza getötet zu haben.

Er schrieb von Alpträumen. Seine Opfer erschienen ihm im Schlaf. Innerhalb dieser sechs Jahre habe er keine einzige Nacht in Frieden schlafen können. In seinen Zeilen flehte er um Vergebung.

Alpträume

Beata war voller Wut, als sie erfuhr, dass Manasseh ihre Kinder getötet hatte. Sie hasste ihn, denn er hatte das Kostbarste auf Erden zerstört. Er hatte die Todesstrafe verdient.

Doch wenn sie jeweils ruhig wurde, machte sich ein anderer Gedanke in ihrem Denken breit. Jesus lebte nach einem anderen Gesetz! Betas eigene Alpträume kehrten zurück. In einem weiteren Brief gab Manasseh darüber Auskunft, wo die Leichen der Kinder waren. All die schrecklichen Wochen kamen bei Beta wieder hoch …

«Vergebung ist eine Entscheidung»

Gemeinsam mit anderen Überlebenden ging sie zu der beschriebenen Stelle. Gefunden wurden ihre eigenen Kinder sowie die Überreste von 122 anderen Menschen. Erschüttert, aber auch erleichtert konnte sie ihre Lieben begraben und ihnen Würde zurückgeben.

Nach zwei Jahren besuchte sie den Mörder ihrer Kinder hinter Gittern. Später wurde er entlassen. «Ich grüsse ihn jedes Mal, wenn wir uns auf der Strasse treffen», sagt Beata. «Vergebung ist eine Entscheidung, die ich jeden Tag mit Gottes Hilfe bestätigen muss. Denn wenn ich am Morgen aufwache, sind mein Mann und meine Kinder immer noch tot.»

Auf Jesu Tat basierend

Ihre Vergebung basiere auf dem, was Jesus getan hat. «Er trug die Strafe für jede böse Tat. Sein Kreuz ist der Ort, an dem wir den Sieg finden – der einzige Ort.»

Ein erheblicher Teil der Morde war von Jugendlichen begangen worden, die mit unvorstellbarer Schuld lebten, als sie dann im Gefängnis erwachsen wurden.

Beata will ihnen neue Hoffnung geben. Sie traf im Gefängnis weitere Menschen, welche in die Massaker verstrickt waren – darunter auch die Frau, die Beata und ihren Säuglingssohn in den letzten Tagen des Völkermords versteckt hatte; auch in der Hoffnung, dass die Tutsi sie dann verschonen würden.

Eine persönliche Entscheidung

Sie ermutigt die Menschen hinter Gittern und erklärt: «Der Weg, um deiner Dunkelheit zu entkommen, ist die Begegnung mit dem Licht, also deine Sünden zu bekennen und zum Kreuz zu kommen. Das Blut Jesu spricht lauter als das Blut, das du vergossen hast, lauter als deine Selbstanklage. Es kann Mörder rein waschen!»

Bei diesen Besuchen beobachtete sie, wie manche diesen Schritt gehen und andere eher härter werden. Sie stellt fest, dass es eine persönliche Entscheidung ist. «Befreiung erhalten jene Menschen, die bereuen. Viele sind immer noch zu stolz. Doch jene, die zusammenbrechen, entdecken, dass hinter Gottes Gericht die unendliche Liebe steht.»

Die Geschichte wurde aufgezeichnet von Denise Uwimana, die selbst die Wirren des Völkermordes in Ruanda durchlitt. Ihre Geschichte erschien kürzlich in Buchform in englischer Sprache «From Red Earth – A Rwandan Story of Healing and Forgiveness».

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