Einsatz für neue Generation – Sind Christen im Irak zum Verschwinden verurteilt?

Bischof Chimon Daniel
Open Doors CH
Bischof Chimon Daniel
Die Zahl der Christen im Irak ist von 1,5 Millionen in den 1990er Jahren stark zurückgegangen. Dennoch hat Bischof Daniel beschlossen, auf das Exil zu verzichten, um die Hoffnung Jesu an die neue Generation irakischer Christen weiterzugeben.
15.9.2025
3 min

Der 34-jährige Bischof Chimon Daniel wuchs in Bagdad auf und verbrachte dort den grössten Teil seiner Kindheit. Im Jahr 2006, als er gerade 16 Jahre alt war, «wachten wir eines Tages auf und fanden eine Morddrohung im Hof unseres Hauses. Es war eine Kugel, die in ein blutgetränktes Papier gewickelt war. Wir öffneten das Papier und lasen: ‹Ihr müsst innerhalb von 24 Stunden verschwinden, sonst werdet ihr getötet.› Diese Drohung kam von radikalen Gruppen aufgrund unseres Glaubens. Ich erinnere mich, dass wir tatsächlich innerhalb von 24 Stunden flohen. Wir suchten nach einem sicheren Ort, an dem wir in Frieden leben konnten.»

An diesem Tag floh seine Familie nach Erbil in der Region Kurdistan im Irak. Im Verborgenen bereitete Gott Daniel bereits auf seine Berufung vor.

Lebenswende

In seinem dritten Studienjahr im Ausland, wo er Medizin studierte, wurde er 2012 von irakischen muslimischen Studenten angegriffen, die seinen Glauben in Frage stellten. Er kehrte in sein Zimmer zurück und begann zu weinen. Später am Tag beschloss er, die Bibel zu lesen und nach Antworten zu suchen. Danach stellte er sich seinen Angreifern und beantwortete ihre Fragen. Dieser Vorfall liess ihn Gottes Ruf erkennen, woraufhin er sein Studium abbrach und beschloss, Priester zu werden.

Als der Islamische Staat 2014 Mossul einnahm, erhielt er die Bestätigung für seine Berufung. Gott wollte, dass er sein Volk unterstützte. Denn die Schwierigkeiten für die irakischen Christen waren noch lange nicht vorbei.

Einsam...

Seitdem haben viele Christen das Land verlassen – unter anderem auch die unmittelbare Familie des Bischofs – auf der Suche nach einem Ort, an dem ihre Rechte garantiert sind und sie Chancen auf eine gute Zukunft haben. 

«Es ist schwer, um ehrlich zu sein.» Bischof Chimon seufzt tief und fügt hinzu: «Es ist sehr schwer, jeden Tag aufzuwachen und meine Eltern nicht zu sehen, meine Familie nicht bei mir zu haben.  In den ersten Monaten fühlte ich mich einsam und dachte daran, auch wegzugehen, aber damit würde ich vor der Berufung fliehen, die Gott mir gegeben hat.»

Starke Beziehungen

Heute betrachtet er die Menschen, denen er dient, als seine Familie. Das hat ihm in diesen schwierigen Zeiten wirklich geholfen. Indem er hart für sie gearbeitet und sich für ihre Rechte eingesetzt hat, konnte er solide Beziehungen aufbauen.

«Wir sind das Salz und das Licht dieses Landes, und jedes Mal, wenn jemand geht, erlischt das Licht. Und das Salz hat dann vielleicht nicht mehr die nötige Wirkung, um die Gemeinschaft oder das Land zu verändern.»

Herausforderungen für die Kirche im Irak

Für diejenigen, die geblieben sind, ist es laut dem Bischof «die grösste Herausforderung für die Kirche heute, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden». «Wir sind keine Regierung, die über grosse Mittel verfügt, um zahlreiche Projekte für die christliche Gemeinschaft umzusetzen. Die Kirche engagiert sich in bestimmten Bereichen, auch wenn das nicht ihre Aufgabe ist, weil niemand sonst unserem Volk diese Dinge bieten kann, um ihm zu helfen, im Irak zu bleiben.»

Als Mensch und als Bischof ist er Gottes Werkzeug im Irak. Er arbeitet eng mit jungen Menschen zusammen und sagt: «Ich versuche, ein Vorbild zu sein, damit sie verstehen, dass wir den Christen im Irak Hoffnung geben können.»

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
Elian-Meier

«Wir leben noch nicht im Himmel»

Elian und Simon Meier engagierten sich in Guinea für die lokale Bevölkerung. Als Kinder Gottes und im Dienst für ihn vertrauten sie darauf, dass er ihre Familie schützen würde. Doch dann wurden sie mit einer anderen Erfahrung konfrontiert.
Story
juli-rudolph

Wie ein altes Worship-Video Juli zurück zu Jesus führte

Young, wild and free – so könnte das Motto der heute 21-jährigen Juli Rudolph in ihrer Teenagerzeit gelautet haben. Sie wusste, dass es einen Gott gibt. Doch mit der Zeit spielte dieser Glaube in ihrem Leben kaum noch eine Rolle. Dann kam eine Nacht, in der sie sich ein jahrealtes Worship-Video ...
Story
andreheiniger

Vom Spitzenkoch über den Ruin zu neuem Leben

Nach einer schwierigen Kindheit startet André Heiniger voller Elan ins Berufsleben und hat sofort grossen Erfolg. Er wird reich, macht sich selbstständig und lebt für seine Karriere. Doch dann bekommt er eine schwierige medizinische Diagnose.
Story
Sophia im Studio

Ihr war alles egal – bis ihre Welt zusammenbrach und plötzlich Friede kam

Eigentlich war Sophia mit dem Grundgefühl durchs Leben gegangen, dass alles egal sei. Doch als sie mit 18 Jahren ungeplant schwanger wurde, brach dieses Gefühl plötzlich auf. Sie war verzweifelt und hilflos – und zugleich fühlte sich dieser Moment so real an wie lange nichts mehr. Zum ersten Mal ...