Kommunist wird Prediger – Spanien: Revolutionär erlebte Revolution im Herzen

30.8.2019
4 min

Als Kommunist floh Julio Moraleja nach dem Zweiten Weltkrieg im faschistischen Spanien vor der Polizei. Besser wurde es nicht, als er zum christlichen Glauben fand und eine Untergrund-Kirche zu leiten begann. Erbittert unterdrückte Franco die protestantische Christenheit.«Ich bin einfach sehr schnell gelaufen», erinnert sich der heute 67-jährige Julio Moraleja an die dunklen Tage der repressiven, antiprotestantischen Regierung von Francisco Franco. «Wir versteckten uns vor der Polizei. Sie haben uns nie erwischt.»

Damals versuchte der Diktator Franco erbittert die evangelischen Kirchen auszumerzen. Er schränkte die Freiheit ein und versuchte, wiedergeborene Christen aus dem Land zu vertreiben. Aber die Razzien gegen Hauskirchen, die Überfälle und die Geheimpolizei schüchterten Julio nicht ein. Julio war als Kommunist bereits an subversive Aktivitäten gewohnt. Beispielsweise hatte er zuvor schon versucht, die kapitalistische Diktatur zu stürzen.

«Welt brauchte einen Wandel»

Julio wuchs in einer atheistisch-kommunistischen Familie auf. «Für mich brauchte die Welt einen sozialen Wandel, der nur durch die kommunistische Philosophie vollzogen werden konnte.» Sein Vater, der im spanischen Bürgerkrieg für die kommunistische Jugend kämpfte, wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Todesstrafen wurden für Kommunisten routinemässig verhängt und oft in eine lebenslange Haft umgewandelt. Elf Jahre musste sein Vater schliesslich absitzen. Trotz Francos Razzien wurde Julio zu einer der Schlüsselfiguren unter den Kommunisten.

Im Laufe der Jahre zeigte ihm ein Freund, José Aguilar, der Christ war, einen anderen Weg, um die Welt zu retten: Jesus Christus.

Zuerst keine Beachtung

«Logischerweise habe ich Jesus keine Beachtung geschenkt, weil ich nicht an Gott geglaubt habe», sagt Julio rückblickend. Der Kommunismus basiere schliesslich auf dem Weltbild des Atheismus. Dennoch hörte er sich mal aus Neugierde eine Kassette mit christlichem Inhalt an, die er von José geschenkt bekam. «Als ich das Band abspielte, begann sich etwas in mir zu bewegen … ich wusste nicht, was vor sich ging. Die Botschaft durchdrang meine Seele. Am Ende war ich gebrochen.»

Gerade in diesem Augenblick klopfte es an der Tür. Es war sein Freund José, der Julio besuchen wollte. Er kam herein und erzählte ihm noch mehr vom christlichen Glauben. Diesmal nahm Julio Christus als Herrn und Erlöser an. Das war im September 1978.

«Schlachten im Kopf»

«Das waren Tage grosser Schlachten in meinem Kopf», erinnert er sich. Er besuchte Gottesdienste in Fuenlabrada im Grossraum Madrid und fühlte so eine starke Präsenz des Heiligen Geistes, dass er übermannt wurde. «Ich fiel zerbrochen auf die Knie und weinte unkontrolliert», erinnert er sich. «Es gab eine Gegenwart Gottes, die so stark war, dass der Heilige Geist über mich kam. Als ich aufstand, war ich ein neuer Mann. Es war, als ob ein riesiges Gewicht von meinem Herzen genommen wurde.»

Diese Erfahrung prägte sein Leben. Nun wollte er Menschen für Jesus gewinnen. «Ich begann, Gott mit Leidenschaft zu dienen und erzählte anderen von ihm. Einige Familienmitglieder kamen dazu und wir starteten eine Hausgemeinde.»

Schwierige Zeiten

Die Treffen waren illegal. Das Franco-Regime zeigte keine Toleranz gegenüber Kommunisten und evangelischen Christen. Der Diktator war streng katholisch und dazu entschlossen, sein Glaubenssystem jedem aufzuzwingen.

«Das waren schwierige Zeiten in Spanien, es gab keine Religionsfreiheit.» Und als Franco starb, wurde es nur noch schlimmer; seine Nachfolger versuchten krampfhaft, das Regime an der Macht zu halten. Dadurch verschärfte sich die Verfolgung und die protestantischen Christen wurden ihrer Güter beraubt. Sie mussten sich heimlich treffen.

Freiheit wächst

Als die Demokratie langsam nach Spanien kam, hob sich die eiserne Hand der Verfolgung. 1983 wurde Julio zum Pastor geweiht und gründete eine Gemeinde in Granada.

«Ich habe die Hand Gottes gesehen, die eine wunderbare Gemeinde baut.» Ebenso in seinem eigenen Leben: «Vom Kommunisten, der mit seinen Idealen und seiner kommunistischen Philosophie die Welt verändern wollte, wurde ich zum Prediger des Wortes Gottes. Es war herrlich zu sehen, wie Seelen zu Füssen Christi kamen und das Leben verwandelt wurde.»

Gemeinde wächst

Eine Frau aus Almeria besuchte die Gemeinde in Granada und bot an, ihr Haus ebenfalls zur Verfügung zu stellen. Jung und enthusiastisch willigte Julio ein. So begann er, zwei Gemeinden zu leiten. Nach mehreren Jahren gründete er zwei weitere in Ecuador (in Guayaquil und Quevedo).

Noch heute arbeitet er als Evangelist in Spanien. Sein Sohn ist Pastor der Gemeinde in El Ejido (Almeria).

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
Elian-Meier

«Wir leben noch nicht im Himmel»

Elian und Simon Meier engagierten sich in Guinea für die lokale Bevölkerung. Als Kinder Gottes und im Dienst für ihn vertrauten sie darauf, dass er ihre Familie schützen würde. Doch dann wurden sie mit einer anderen Erfahrung konfrontiert.
Story
juli-rudolph

Wie ein altes Worship-Video Juli zurück zu Jesus führte

Young, wild and free – so könnte das Motto der heute 21-jährigen Juli Rudolph in ihrer Teenagerzeit gelautet haben. Sie wusste, dass es einen Gott gibt. Doch mit der Zeit spielte dieser Glaube in ihrem Leben kaum noch eine Rolle. Dann kam eine Nacht, in der sie sich ein jahrealtes Worship-Video ...
Story
andreheiniger

Vom Spitzenkoch über den Ruin zu neuem Leben

Nach einer schwierigen Kindheit startet André Heiniger voller Elan ins Berufsleben und hat sofort grossen Erfolg. Er wird reich, macht sich selbstständig und lebt für seine Karriere. Doch dann bekommt er eine schwierige medizinische Diagnose.
Story
Sophia im Studio

Ihr war alles egal – bis ihre Welt zusammenbrach und plötzlich Friede kam

Eigentlich war Sophia mit dem Grundgefühl durchs Leben gegangen, dass alles egal sei. Doch als sie mit 18 Jahren ungeplant schwanger wurde, brach dieses Gefühl plötzlich auf. Sie war verzweifelt und hilflos – und zugleich fühlte sich dieser Moment so real an wie lange nichts mehr. Zum ersten Mal ...