Das Abraham-Prinzip

Der Abraham-Bund wurde nicht von Donald Trump erfunden, sondern von Gott selbst. Alle, die durch Christus im Glauben auf Gott vertrauen, sind im wahren Sinn «Kinder Abrahams». Dahinter steht ein grundlegendes Prinzip, auf das wir immer wieder zurückkommen werden.

10.10.2026
3 min
geschrieben von
Reinhold Scharnowski
person-streckt-arm-in-den-himmel
Vor über 4'000 Jahren versprach Gott Abraham ein grosses Volk – und er hielt sein Versprechen.

Dieses berühmte Versprechen, das Gott Abraham gab, gründete nicht auf dem, was Abraham getan hatte oder noch tun würde. Es beruhte allein auf Gottes Entscheidung, ihm dieses Geschenk zu machen.

«Das ganze Land, alles, was du jetzt siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben – für immer!»

1. Mose 13,15

HFA

Abraham nahm es im Glauben an – obwohl seine Lebensumstände, insbesondere seine kinderlose Ehe, völlig dagegensprachen.

Ein Vertrag – oder ein Versprechen?

Wenn wir das, was Gott uns schenkt, nur dann bekommen, wenn wir alles richtig machen, jede Vorschrift befolgen und jedes Formular korrekt ausfüllen und unterschreiben, dann hat persönliches Vertrauen keinen Platz mehr. Aus Gottes Versprechen wird ein wasserdichter Vertrag, ein Geschäft – und bei diesem Geschäft ziehen wir mit Sicherheit den Kürzeren. Denn wir werden unseren Teil des Vertrags niemals erfüllen können, genauso wenig wie Abraham aus eigener Kraft ein Kind zeugen konnte.

Ein Versprechen dagegen – erst recht ein Versprechen Gottes – braucht keinen Vertrag. Es steht, weil Gott dazu steht.

Darum hängt die Erfüllung von Gottes Versprechen nicht davon ab, dass wir alles richtig machen. Sie hängt davon ab, dass wir Gott vertrauen, seinem Weg folgen und uns auf ihn und sein Handeln einlassen. Gottes Versprechen ist ein Geschenk – unverdient und aus Gnade. Und genau deshalb steht es allen offen: Menschen, die mit religiösen Traditionen aufgewachsen sind, genauso wie Menschen, die noch nie davon gehört haben.

Abraham ist der Vater von uns allen

Abraham ist nicht unser Vater, weil wir alle biologisch von ihm abstammen, sondern weil er unser Vater im Glauben ist. Er wurde nicht deshalb «Vater» genannt, weil er besonders vorbildlich oder heilig gelebt hätte. Vielmehr sagte Gott zu einem Menschen, der zunächst ein Niemand war:

«Ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht.»

1. Mose 17,5

SLT

Abraham wurde also Vater, bevor er tatsächlich Vater war. Warum?

Weil er Gott zutraute, was nur Gott tun kann: Tote zum Leben erwecken und aus dem Nichts Neues schaffen.

Als menschlich gesehen jede Hoffnung verloren war, hielt Abraham trotzdem an Gottes Zusage fest. Er richtete sein Leben nicht danach aus, was er selbst noch leisten konnte, sondern nach dem, was Gott versprochen hatte. Und so wurde er tatsächlich zum Vater vieler Völker. Gott hatte ihm zugesagt: «Abraham, du wirst eine grosse Familie haben!»

Seitdem sind alle, die auf Gott statt auf sich selbst vertrauen, «Kinder Abrahams» – nicht biologisch, sondern im Glauben.

Mit hundert Jahren noch ein Kind zeugen?

Abraham konzentrierte sich nicht auf seine eigene Unfähigkeit und sagte: «Das ist doch unmöglich. Mit hundert Jahren kann ich kein Kind mehr zeugen.» Auch angesichts von Saras jahrzehntelanger Kinderlosigkeit gab er die Hoffnung nicht auf. Er begegnete Gottes Versprechen nicht mit vorsichtigen, skeptischen Fragen, sondern setzte ganz darauf. Daraus schöpfte er neue Kraft – bereit, Gott zu vertrauen und überzeugt, dass Gott sein Wort halten würde.

Deshalb heisst es im Römerbrief: Das gilt nicht nur für Abraham, sondern auch für uns. Auch wir werden vor Gott gerecht, wenn wir dem Einen vertrauen, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Menschlich gesehen schien auch das hoffnungslos – genauso wie die Vorstellung, dass aus hartgesottenen Sündern Gerechte werden.

Erinnere dich an Gottes Zusage

Donald Trump hat sich dafür eingesetzt, dass Staaten, die sich auf Abraham berufen, Frieden miteinander schliessen. Der biblische «Abraham-Bund» meint jedoch etwas anderes: Menschen aus allen Nationen, Kulturen und Religionen, die auf Gottes Zusage vertrauen und durch Jesus Heil empfangen.

Durch seinen Tod hat Jesus uns mit Gott versöhnt und vor Gott gerecht gemacht. Er hat uns mit Gott ins Reine gebracht.

Wenn du das nächste Mal an dir selbst zweifelst oder gar verzweifelst, denk an Abraham. Schau nicht auf deine eigene Unfähigkeit, sondern auf Gottes Zusage – und vertraue darauf, dass Gott sein Wort hält.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Mann-mit-hut-halt-ein-buch-in-der-hand

Wie du mit einem Buch die gesamte Bibel besser verstehst

Vor allem ein Buch aus der Bibel hilft dir, das grosse Bild der Bibel besser zu verstehen, und zwar das «Buch der Anfänge». Hier entdeckst du, um was es darin geht.
Thema
Mann der vom Skateboard gefallen ist

Scheitern – oder aus Fehlern lernen

Scheitern muss nicht ein Grund zur Sorge sein, sondern kann auch eine Initialzündung sein für einen Neuanfang. Ein paar Figuren aus der Bibel machen dies deutlich.
Thema
frau-schaut-durch-eine-lupe

Perspektivwechsel: Was sie dem Bettler (nicht) zu bieten haben

Zwei Jesusjünger gehen in das – ausdrücklich als «schön» bezeichnete – Eingangsportal des Jerusalemer Tempels. Tausende Touristen vor dieser Sehenswürdigkeit schauen und staunen nach oben. Sie bewundern Steine. Sie wertschätzen die Glanzleistung verstorbener Genies. Aber Petrus und Johannes schauen ...
Thema
Offenheit sollte nicht mit Unentschlossenheit verwechselt werden

Wenn Glaube zur Entscheidung ruft – Offen für alles?

Wenn es ein Prinzip gibt, das in unserer Gesellschaft als fortschrittlich gilt, dann ist es «Offenheit». Sie wird gern gefordert, auch für den Glauben. Doch hat Offenheit Grenzen?