Der allmächtige Gott: Die Antwort für das perfekte «Ikigai»

Japanische Weisheiten und fernöstliche Religionen üben auf viele Menschen eine grosse Faszination aus. Sie versprechen Orientierung und helfen dabei, das eigene Leben und sich selbst neu zu verstehen. Darin treffen sie auf einen Zeitgeist, bei dem das «Ich» stark im Mittelpunkt steht. Doch dabei gerät etwas Wesentliches aus dem Blick: Gott.

11.9.2026
5 min
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Karl Dittli
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Wo Gott im Mittelpunkt steht, bleibt der Lebenssinn bestehen – auch wenn sich unser Leben verändert.

Unser Leben wird erst dann wirklich lebenswert, wenn wir einen Sinn darin sehen. Für die einen bedeutet das, Kinder zu kriegen und etwas zu hinterlassen, das über das eigene Leben hinaus Bestand hat. Für andere liegt der Sinn darin, Karriere zu machen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Verschiedene Arten von Sinn

Vor etwa einem Jahr war der Philosoph und Autor Christian Uhle zu Gast in der SRF-Sendung «Sternstunde Philosophie». Er sagte: «Wer einen Sinn im Leben hat, lebt länger.» Doch wie finden wir diesen Sinn? Uhle sprach von verschiedenen Formen.

Ein spielerischer Sinn entsteht zum Beispiel, wenn wir uns einer Sache um ihrer selbst willen hingeben – wenn wir also etwas tun, das nicht für etwas anderes nützlich sein muss, sondern seinen Sinn bereits in sich trägt. Diese Haltung ist uns als Kindern noch ganz vertraut, doch mit der Zeit verlernen wir sie.

Sinn kann aber auch der Boden sein, auf dem wir durchs Leben gehen, erklärt Uhle weiter. Dazu gehört die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: das Gefühl, etwas bewirken und das eigene Leben mitgestalten zu können.

«Wir Menschen hätten ein angeborenes Bedürfnis, etwas in der Welt zu bewegen, einen Unterschied zu machen und in der Welt unsere Energie auf etwas zu richten, was diese auch wert sei.»

Christian Uhle

Das japanische Ikigai-Modell

Auch das heute sehr beliebte Ikigai-Modell aus Japan verspricht Orientierung bei der Suche nach dem eigenen Lebenssinn. Es fragt nach vier Dingen:

  • 1Meine Leidenschaften: Was liebe ich?
  • 2Meine Talente: Worin bin ich gut?
  • 3Mein Beitrag für andere: Was braucht die Welt?
  • 4Meine Existenzsicherung: Womit kann ich Geld verdienen?

Eigentlich ein überzeugender Ansatz, oder? Der Gedanke dahinter passt gut zu einer zentralen Idee des Existenzialismus. Denker wie Jean-Paul Sartre oder Albert Camus gingen davon aus, dass das Leben keinen vorgegebenen Sinn hat. Gerade darin sahen sie eine Form von Freiheit: Wir sind selbst dafür verantwortlich, unserem Leben Bedeutung zu geben. Das passt erstaunlich gut zu unserem heutigen Zeitgeist.

Das «christliche» Ikigai

All diese Modelle und Denkansätze haben eine Grenze: Sie suchen den Sinn des Lebens innerhalb dieser Welt und lassen die Frage nach Gott weitgehend aussen vor. Auch beim Ikigai-Modell steht der Mensch selbst im Zentrum.

Zwar können viele dieser Fragen wertvoll sein, aber sie greifen zu kurz, wenn Gott tatsächlich existiert. Dann ist die Frage nach dem Lebenssinn nicht nur eine Frage danach, was mich glücklich macht, was ich gut kann oder was die Welt von mir braucht.

Im Zentrum der Bibel steht deshalb nicht ein abstraktes Glücksgefühl, sondern die Beziehung zu Gott und die Nachfolge von Jesus Christus. Wir können die vier Fragen des Ikigai deshalb einmal durch die Brille des Glaubens betrachten. So wird daraus ein Kompass für das, was Christen «Berufung» nennen.

1. Unsere von Gott geschenkten Leidenschaften

Icon Bibel

«Freue dich über den Herrn, und er wird dir geben, was du dir von Herzen wünschst.»

Psalm 37,4

HFA

Wenn unsere Freude in Gott liegt, verändern sich auch unsere Wünsche. Wir beginnen zu lieben, was Gott liebt: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Kreativität und Gemeinschaft.

Eine Frage kann uns dabei helfen: Bei welchen Tätigkeiten spürst du Gottes Gegenwart und eine tiefe, heilige Freude? So können wir entdecken, welche Sehnsüchte Gott in uns gelegt hat.

2. Unsere Geistesgaben und Talente

Bei dieser Frage geht es nicht nur um erlernte Fähigkeiten, sondern auch um die Gaben, die der Heilige Geist uns schenkt, damit wir anderen dienen können. Dazu gehören ganz unterschiedliche Dinge – zum Beispiel Musizieren, Kochen, Zuhören, Organisieren oder Ermutigen.

Im ersten Petrusbrief heisst es:

Icon Bibel

«Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat. Wenn ihr die vielfältigen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, setzt ihr sie richtig ein.»

1. Petrus 4,10

HFA

Indem wir es uns zur Aufgabe machen, anderen Gutes zu tun, finden wir heraus, welche Gaben Gott uns anvertraut hat. So wird die Suche nach den eigenen Gaben zu einer spannenden Entdeckungsreise.

3. Der Dienst am Nächsten (Nächstenliebe)

Das klassische Modell fragt nach dem Bedarf des Marktes oder der Gesellschaft. Im christlichen Glauben geht es dagegen um die Nöte unserer Mitmenschen und darum, Gottes Liebe sichtbar zu machen.

Das ist der Kern des Doppelgebots der Liebe (Matthäus 22,37-40): Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Dazu kommt der Auftrag von Jesus, seine Botschaft weiterzugeben (Matthäus 28,19-20). Jesus sagt in Matthäus 25,40, dass wir ihm selbst dienen, wenn wir uns um die Geringsten kümmern. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wo sehe ich in meinem Umfeld Not – geistlich, materiell oder emotional?

4. Versorgung und gute Haushalterschaft

Wir alle müssen essen und arbeiten. Auch die Bibel weiss darum. Arbeit ist aus christlicher Sicht aber kein Fluch, sondern Teil unseres Auftrags, Gottes Schöpfung mitzugestalten (1. Mose 1,28).

Im ersten Timotheusbrief steht:

Icon Bibel

«Wer sich aber weigert, seine Angehörigen zu versorgen – vor allem die eigenen Familienmitglieder –, der verleugnet damit den Glauben; er ist schlimmer als einer, der von Gott nichts wissen will.»

1. Timotheus 5,8

HFA

Die Bibel nimmt damit unsere Verantwortung für die eigene Familie ernst. Gleichzeitig gilt das Prinzip der Haushalterschaft: Was wir haben, gehört letztlich Gott – wir dürfen es verwalten und einsetzen. Deshalb kann auch unsere Arbeit zum Gottesdienst werden.

Paulus schreibt im Kolosserbrief:

Icon Bibel

«Und alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen.»

Kolosser 3,23

SLT

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie können wir unsere Zeit, unsere Fähigkeiten und unsere Arbeit so einsetzen, dass wir für unseren Lebensunterhalt sorgen und gleichzeitig grosszügig sein können?

Gott ist der Mittelpunkt

Beim klassischen Ikigai-Modell steht das «Ich» im Zentrum. Wenn wir unser Leben mit dem lebendigen Gott gestalten, steht er im Mittelpunkt. Sind wir in ihm verankert, hängt unser Lebenssinn nicht davon ab, dass alle Lebensbereiche funktionieren. Selbst wenn ein Bereich wegbricht – etwa durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder andere Krisen –, bleibt unser Leben in ihm verwurzelt.

Unser tiefster Sinn bleibt: Gott zu verherrlichen und seine Liebe in dieser Welt sichtbar werden zu lassen.

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