Galaterbrief als Ausgangslage
Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Sanftmut, Selbstbeherrschung, Treue, Güte und Freundlichkeit. Das sind die neun «Teilfrüchte», die der Heilige Geist in uns freisetzen kann. So steht es im Galater Kapitel 5, Verse 22-23. Eine dieser Eigenschaften ist Frieden.
Gottes Frieden
Bei dieser Form von Frieden geht es nicht nur um Harmonie oder Abwesenheit von Streit oder Krieg. Es geht um viel mehr: ein Frieden, der die Welt übersteigt.
Es ist eine von Gott geschenkte, tiefe innere Ruhe, die auch in schwierigen Lebensumständen Bestand hat. Sie beginnt in gewisser Weise schon in diesem Moment, in dem wir uns für ein Leben mit Jesus Christus entscheiden. So heisst es im Römerbrief: «Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.» (Römerbrief Kapitel 5, Vers 1; HFA)
Das bedeutet, dass es keine Feindschaft mehr gibt zwischen Gott und uns, weil Christus mit seinem Tod am Kreuz vor über 2000 Jahren unsere Sünden getilgt hat und damit auch diese Feindschaft beigesetzt ist. Deshalb dürfen wir auch Frieden im Gewissen haben, da wir wissen, dass das Werk vollbracht ist.
Frieden im Herzen
Das ist aber noch nicht alles. Gott möchte auch, dass wir Frieden in unserem Inneren haben – in unserem Herzen. In Form einer inneren Gelassenheit und Ruhe, die wir haben, weil wir wissen, dass unser Leben und alle Umstände in Gottes Hand sind. Es kann uns demnach nur zustossen, was er zulässt.
Das ist unglaublich beruhigend. Wird unser Leben wegen dieser Gegebenheiten aber perfekt verlaufen? Natürlich nicht. Es kann immer noch sein, dass beim Autofahren plötzlich der Reifen platzt oder die Batterie streikt. Oder dass wir von schwierige Situationen durchleben, an einer chronischen Krankheit leiden müssen oder finanzielle Schwierigkeiten durchmachen.
Doch auch wenn diese Dinge passieren: Wir dürfen auch in diesen Situationen Frieden haben, ruhig bleiben, auch wenn unsere natürliche Reaktion das Gegenteil wäre. Der Geist Gottes kann uns in diesen Situationen helfen und Ruhe geben.
Petrus im Gefängnis
In der Bibel existieren verschiedene Beispiele für diesen aussergewöhnlichen Frieden, der sich in den herausforderndsten Situationen zeigt. Im Neuen Testament kann man zum Beispiel den Apostel Petrus erwähnen. In Apostelgeschichte Kapitel 12 steht, wie er nach dem Tod seines Mitjüngers Jakobus von König Herodes ins Gefängnis geworfen wurde. Dieser wollte ihm den Prozess machen. Petrus befand sich also in einer äusserst schwierigen Lage. Doch scheinbar musste er einen tiefen göttlichen Frieden in sich haben. In Vers 6 steht nämlich Folgendes: «In der letzten Nacht vor dem Prozess schlief Petrus zwischen zwei Soldaten und war mit Ketten an sie gefesselt. Die beiden anderen Soldaten hielten vor der Zelle Wache.» (Apostelgeschichte Kapitel 12, Vers 6; HFA)
Unglaublich, dass man in solch einer Situation schlafen kann. Aber es hat sich gelohnt. Danach erschien ein Engel im Gefängnis und befreite Paulus von seinen Ketten. Er verliess hinter dem Engel die Zelle und das Gefängnis und war fortan wieder frei (Apostelgeschichte Kapitel 12, Verse 7 bis 11).
Davids Mut
Auch im Alten Testament finden wir ein Beispiel für diesen Frieden. Es ist die berühmte Situation von David, als er dem Riesen Goliath gegenüberstand (1. Samuel Kapitel 17). Im Gegensatz zu den Kriegern Israels, die durch den Anblick und die Aussagen von Goliath sehr verängstigt waren, zeigte David überhaupt keine Angst oder Scheu. Im Gegenteil: Nachdem ihm der damalige König Saul seine Erlaubnis gab, trat er dem Riesen mutig und völlig ruhig entgegen. Er setzte sein Vertrauen nicht auf das, was er sah, sondern auf Gott. Darum strahlte er auch diesen Frieden aus.
Was danach folgt, ist Geschichte. David feuerte ein winzigen Stein von seiner Schleuder ab, der den Riesen direkt am Kopf traf und sich in seine Stirn bohrte. Sofort fiel Goliath zu Boden auf sein Gesicht. David überwältigte ihn damit ohne jegliche Rüstung und Waffen, sondern nur mit einer einfachen Steinschleuder und einem Kieselstein. Dieser Frieden und dieses Gottvertrauen brachten ihn später sogar noch zu Königsehren. In der Bibel wird er als ein «Mann nach dem Herzen Gottes» bezeichnet.
Das Gebet des Stephanus
Eine weitere eindrückliche Geschichte finden wir in der Apostelgeschichte Kapitel 7. Dort wird darüber geschrieben, wie Stephanus gesteinigt wurde. Damit wurde er zum allerersten Märtyrer der christlichen Kirche. Eindrücklich, dass er in diesem Moment nicht zuerst an sich selbst dachte: «Er sank auf die Knie und rief mit lauter Stimme: 'Herr, vergib ihnen diese Schuld!' Mit diesen Worten starb er.» (Apostelgeschichte Kapitel 7, Vers 60; HFA)
In dem Moment seines Todes also betete Stephanus für seine Mörder. Er bat Gott, ihnen diese Sünde nicht anzurechnen. Sein Gesicht strahlte dabei, wie das eines Engels. Dies zeugt von einem übernatürlichen, göttlichen Frieden.
Wie kann man diesen Frieden einüben?
In unserem Alltag sieht das alles manchmal ganz anders aus. Wo Frieden sein sollte, sind grosse Unruhen oder ständige Sorgen im Vordergrund. Das ist menschlich. Es gibt jedoch ein paar Dinge, die man bewusst einüben kann, um diesen göttlichen Frieden zuzulassen:
Stille: Tägliche Zeiten der Stille praktizieren, um zur Ruhe zu kommen und Gottes Gegenwart zu spüren
Gebet: Sorgen bewusst im Gebet abgeben und die heilende Kraft Gottes im Inneren zulassen
Vertrauen: Wir wollen aus unserem Naturell alles unter Kontrolle haben. Daraus kann aber innere Unruhe entstehen. Geistlicher Friede wächst hingegen im Vertrauen darauf, dass Gott die Kontrolle behält und für einen sorgt. Also müssen wir lernen, die Kontrolle an ihn abzugeben.
Es gibt sicher noch weitere Praktiken, die man einüben könnte. Das Wichtigste von allem ist aber immer die Beziehung zu Jesus. Ist sie unsere erste Priorität, dann wird dieser göttliche Friede ein zentraler Begleiter in unserem Leben sein.




